Die Petite Saone ab Scey-sur-Saone entdecken - ein Reisebericht

1 Woche auf der Petite Saone mit Linssen Grand Sturdy 34.9.

Termin: 14.5.-21.5.2018
Hausboot: Linssen Grand Sturdy 34.9.
gebucht über „Ferien auf dem Wasser“.

Frankreich zum Dritten. Nach dem verregneten Törn 2016 in der Charente auf der Charente und der grandiosen Tour auf dem Lot 2017 war die Franche-Comté das 2018er Ziel. Eine gebürtige Französin steckte mir im Vorfeld, die Saône sei langweilig. Nur weidende Kühe. Ok!! Ich ließ mich nicht beirren und buchte trotzdem: Fahrbereich Petite Saône. Sehr wichtig, wenn das Hauptaugenmerk auf Natur und Abgeschiedenheit liegt! Nicht vorhergesagt hatte meine französische Bekannte jedoch, es könnte aus kulinarischer Sicht eine enttäuschende Woche werden. Da hätte sie mehr als
recht behalten.

Glücklicherweise wählten wir für die Anfahrt einen kleinen Umweg über Oberbergen im Kaiserstuhl, wo wir eine Nacht im „Reich der Kellers“ verbrachten. In der KellerWirtschaft sollten wir zum letzten Mal vernünftig gegessen haben.

Später Montagvormittag in Scey-sur-Saône. Ort wie Yachthafen wirkten wie ausgestorben. Demzufolge erfolgte die Übergabe nicht vor der angeschlagenen Bürozeit 14.00 Uhr. Die Abwicklung durch das Locaboat Personal kann aber in höchsten Tönen gelobt werden, ebenso präsentierte sich die abfahrbereite Linssen 34.9. Da kam Vorfreude auf. Also Leinen los!
Nach zwei erfolgreichen Schleusungen und entlang an Urwald ähnlichem Uferbewuchs erreichten wir den im Mai zwar vollen, aber dahinschlummernden Yachthafen von Port-sur-Saône ( Basis von Nicols ). Die Frage nach der Öffnungszeit des benachbarten Chalet de la Plage vermochte die Hafenmeisterin nicht zu beantworten. Es galt Öffnung nach Lust und Laune. Montagabend war Laune angesagt; das Abendessen wurde an Bord eingenommen.

Nach einer ungemütlich kühlen Nacht vermochte die morgendliche Durchfahrt durch das reizvolle Port-sur-Saône unsere Laune deutlich zu verbessern. Im Anschluss daran tuckerten wir gemächlich durch „Landschaft“, nichts Spektakuläres, aber ungemein entspannend; denn wir hatten ab sofort die Petite Saône für uns allein. Vorbei am beschaulichen Port d’Atelier und dem angedachten Übernachtungshafen Fouchécourt erreichten wir das Idyllisch in die Umgebung eingebettete Cendrecourt. Hier sollte umgekehrt werden; längst aber hatten wir uns ob der zunehmend schmaler werden Saône umentschieden. Corre am südlichen Ausgang des Canal des Vosges war das neu ausgegebene Tagesziel. Wir sollten es nicht bereuen. Zwei kreisende Seeadler begleiteten die Linssen ein Stück des Flusslaufs, das verschlafen wirkende Ormoy mit einem für die Region typischen Waschhaus am Flussufer suggerierte Urbanität à la Franche-Comté: Nix los! So erreichten wir schließlich die großzügige Marina von Corre.

Das Restaurant im Yachthafen ruhte an diesem Tag; übrig blieb die einzige Dorfkneipe mit angegliedertem Restaurant. Während wir uns mit Stella Artois zufrieden gaben ( die 2. Runde in die nicht ausgespülten gleichen Gläser gefüllt, die 3. Runde nach dem gleichen Verfahren serviert ), gönnte sich Monsieur mit gleicher Trinkgeschwindigkeit fuseligen(?) Rosé. Unsere Vermutung bestätigte sich um 19.00 Uhr. Le Patron gab für uns als einzige Gäste den Chefkoch. Es sollte das zweitbeste Essen auf französischen Boden bleiben.

Am nächsten Tag ging es zurück nach Port-sur-Saône. Das Restaurant am Yachthafen weiterhin geschlossen, also pilgerten wir zum La Pomme d’Or, wo eine gute, letztlich empfehlenswerte Küche geboten wurde. Nachts blieb es fröstelig bei Temperaturen um die 11 Grad. Nur gut, dass wir nicht eines der französischen „Plastikboote“ gechartert hatten.

Am dritten Morgen durchfuhren wir zunächst den fast 700 m langen Tunnel von Albin und bogen vor Rupt-sur-Saône in den Nebenarm nach Traves ein. Der Abstecher – wie auch spätere nach Soing und Ray-sur-Saône – ein unbedingtes Muss!!! Schweizer warnten uns eindringlich vor einer tückischen Sandbank in der Hafenzufahrt von Traves. Zu recht!!! Warum hier nicht kleines Geld für eine hilfreiche Markierungsboje ausgegeben wurde, bleibt ein Rätsel. Der hohe Pegelstand ließ nicht erkennen, wo es hätte durchgehen können. Auch die Strömungsverhältnisse ließen keine Deutung zu, zumindest nicht für uns ableitbar. Also erst einmal aufsetzen, bevor die schmale Durchfahrt gefunden wurde. Das eigentliche Abenteuer des Tages erwartete uns während der langsamen Anfahrt auf die Anlegestege: Plötzlich ging nichts mehr. Nur 15(!!) Minuten nach dem Telefonat war der
Locaboat Monteur aus Scey zur Stelle um den gerissenen Gaszug zu tauschen. Und noch „eine Art Abenteuer“ sollte uns in Traves erwarten. So wunderschön sich das Hafenensemble auch präsentierte, das Essen im Hafenrestaurant war an diesem Abend ein Graus.

Wir fuhren weiter bergab. Vorbei an Rupt-sur-Saône und dem malerisch gelegenen Ray-sur-Saône erreichten wir den Yachthafen von Savoyeux. Das Hafenrestaurant wie gehabt geschlossen und im nahe gelegenen Seveux hieß es Chez Berthe:: „Je suis désolée, Monsieur“. Schade, denn 50 Bustouristen dürften sich ob der Qualität des Hauses nicht geirrt haben, so jedenfalls der optische Eindruck. Nur gut, dass wenigstens der Bäcker geöffnet hatte. Und ausreichend Zeit für die Besichtigung des Waschhauses war auch gegeben.

Entsprechend der Planung hätte es weiter bis zum südlichen Umkehrpunkt nach Gray gehen sollen. Hätte, wir kehrten unmittelbar vor der Einfahrt in den Tunnel von Savoyeux um, nahmen bei Ferrières die lohnenswerte Flussschleife und befuhren mit gebührender Vorsicht den Seitenarm zum Sportbootanleger von Ray-sur-Saône. Wasser hatte es genügend unter dem Kiel, die Anfahrt entpuppte sich als nicht so schwierig wie beschrieben. In Ray sollte man unbedingt gewesen sein; aber nicht um Chez Yvette zu essen. Nur zur Mittagszeit knurrte der Magen, also speisten wir. Naja, gesättigt! Wieder an Bord erwartete uns alsbald die Schleuse von Charentenay. Wie auf dem Hinweg war die Schleusenautomatik en panne. Der angerufene Schleusennotdienst versprach in rund 10 Minuten für Abhilfe zu sorgen. Weitere Anrufe folgten, die Zahl der wartenden Yachten beiderseits der Schleusenkammer nahm zu. Zwischenzeitlich wollten ungeduldige Franzosen nicht begreifen, dass wirklich nichts ging. Sie zogen und drehten an allen möglichen Knöpfen und Stangen, die roten eingeschlossen. Sinnloser Aktionismus, der zu nichts führte. Nach einer Stunde und 10 Minuten konnten wir schleusen und steuerten danach den Anleger von Soing an. Überaus reizvoll die 6 km lange Anfahrt dorthin, idyllisch die Lage des Steges am Gemeindepark (Landstrom vorhanden): Soing sollte man nicht auslassen. Aber Vorsicht, wenn nicht parallel, sondern senkrecht zum Steg
angelegt werden muss! Bei üblen Böen und einer nicht zu unterschätzenden Strömungsgeschwindigkeit sollte einer an Bord erfahren sein; insbesondere, wenn der freundliche Helfer an Land patzt. Anstelle von Klampen hat die Gemeinde ausschließlich auf Ösen gesetzt. Bekommt man in der Eile die Leine nicht „durchgefummelt“, wird das Schiff unweigerlich von der seitlichen Abdrift gepackt. Und tschüss!!

Dass es wieder nichts zu essen gab, weil ein Kellner wieder untröstlich war, sei nur am Rande erwähnt. Eine Reservierung wurde nicht angenommen, das Restaurant sei ausgebucht. Warum es allerdings um 19.00 Uhr nicht möglich war, zwei einfache Gerichte auf der menschenleeren Terrasse zu servieren, obwohl die erwartete Gesellschaft kleckerweise erst ab 19.30 Uhr eintrudelte, verstehen nur Zeitgenossen, die schon mal in Frankreich gewesen waren. Egal.

Fazit: Die Erwartungen an den Hausbootfahrt auf der Petite Saone wurden zweifelsfrei deutlich übertroffen. Ein lohnenswertes Ziel insbesondere für Skipper, die nicht von Schleuse zu Schleuse fahren möchten, für die rund 2 Dutzend Schleusungen über die Woche verteilt ein Maximum darstellen. Allerdings „Leben und essen wie Gott in Frankreich“, das bot der Lot im Südwesten der Republik, nicht aber die Franche-Comté. Einen Grill mitzuführen, möge ein gut gemeinter Tipp sein.

Fotos:
1. Ortsdurchfahrt von Port-sur-Saône
2. Brücke mit Seitenarm vor Traves
3. Anfahrt auf Ray-sur-Saône
4. Am Steg in Soing

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