Der Gaudatörn - Reisebericht ab Kerkdriel

Der Goudatörn – Eine Woche mit der Estivale Octo Fly im Juni 2019

Einmal im Jahr machen wir einen einwöchigen Familienurlaub auf einem Charterboot irgendwo in Europa. Diesmal war Südholland mit der Stadt Gouda dran.

Das Hausboot – Estivale Octo Fly

Es ist nicht leicht, ein adäquates Boot für eine siebenköpfige Familie, aktuell im Alter zwischen 4 und 68 Jahren, zu finden, besonders wenn die Ansprüche im Lauf der Jahre gestiegen sind.

Die niegelnagelneue 15 Meter lange Nicols Octo Fly bietet mit ihren 4 Kabinen ausreichend Platz. Die Außenküche auf der Flybridge mit Grill und Spüle erfreute den skippernden und kochaffinen Schwiegersohn. Allerdings wurde ebendort ein zusätzlicher Kühlschrank schmerzlich vermisst.

Das Boot lässt sich gut händeln, Bug- und Heckstrahlruder werden nicht sehr häufig gebraucht. Bei kurzer, steiler Welle und gegen den Wind kann es allerdings schon mal ruppig werden.

Der Ausgangshafen

Kerkdriel ist ein kleines, schmuckes Städtchen an der Maas. Sieben Kilometer von der nächsten Autobahnanschlussstelle entfernt ist es aus ganz Europa mit dem PKW leicht zu erreichen. Supermärkte im Ort bieten gute Versorgungsmöglichkeiten. Der eigene PKW muss bei Anreise also nicht bis unters Dach mit Lebensmitteln vollgepackt werden.

Die Marina, welche die 4 Nicolsboote beherbergt, liegt auf einer kleinen Halbinsel ca. 1,5 km von Kerkdriel entfernt. Öffentliche Parkplätze gibt es da zum Abwinken. Aber Achtung: auf der benachbarten Fläche finden auch Festivals statt. Dann könnte es eng werden.

Der kurzzeitig nutzbare Ausladeparkplatz liegt auf dem Gelände des Hafenrestaurants. Von hier sind es nur 20 m, die Rampe runter auf den Schwimmsteg an dem direkt die Nicolsboote liegen. Dabei ist dringend zu empfehlen, den mit den eigenen Klamotten meist überladenen Trolly mit vollem körperlichen Gegengewicht daran zu hindern Fahrt aufzunehmen. Sonst sind die Sachen, incl. Trolly schneller im Boot als einem lieb ist.

Die Marina ist gepflegt und sauber mit ebensolchen sanitären Anlagen. Der Weg dahin ist kurz. Sie sind allerdings über Nacht verschlossen. Zum Duschen braucht man Token, die es im Charterbüro gibt. Nicht zu wenig Token kaufen! Nicht verbrauchte kann man am Törnende gegen Verrechnung zurückgeben.

In der Marina gibt es keine Tankstelle. Zum Tanken muss man die 18 km entfernte Stadt Heusdens anlaufen. Die dortige Tankstelle rechnet direkt mit dem Vercharterer ab. Bei Nicols sind die Treibstoffkosten im Motorstundensatz enthalten . Die Tankstelle extrem einfach anzufahren – eine ellenlange Pier und davor viel Platz zum Manövrieren.

Die Übernahme

Die Nicols Charterstation wird von einem sehr netten Ehepaar betrieben. Daher lief die Übernahme ausgesprochen familiär ab. Alles war superschnell erledigt.

Nach dem Papierkram ist eine Einweisungsfahrt obligatorisch. Das ist in jedem Fall hilfreich, wird man doch auf die eine oder andere regionale Besonderheit hingewiesen. Diesmal war es dem Einweiser wichtig, uns zu einer Kabelfähre über die Maas zu führen. Diese kleinen „Mistkäfer“ gibt es in dieser Gegend nämlich zu Hauf, und sie legen immer dann ab, wenn man mit ihnen sofort auf Kollisionskurs ist. Also Achtung!

Für uns neu: Der Vercharterer stellt ein Tablet mit dem ANBW Kartenmaterial gegen Kaution zur Verfügung. Das ist kostensparend, denn schon unser einwöchiger Törn hat 4 Karten benötigt. Allerdings sollte man darauf achten, das Tablet nicht zu lange in der Sonne liegen zu lassen. Das Ding schaltet sich gern wegen Überhitzung ab und – ganz nach Murphy – nie in einem günstigen Moment.

Um es vorweg zu nehmen, die Rückgabe des Bootes war genauso unkompliziert und schnell. Selbst ein von mir versenktes Fahrradschloss führte nur zu der flapsigen Bemerkung: ich hätte ja danach tauchen können. Damit war die Sache erledigt.

Das Revier

Das Fahrtgebiet (Kerkdriel-Naturschutzgebiet Biesbosch-Rotterdam-Gouda-Montfort-Nieuwegein/Vianen-Thiel-Heusdens-Kerkdriel) ist mal was ganz anderes. Fuhren wir sonst über eher enge, historische Kanäle weitgehend ohne Berufsschifffahrt und mit überschaubarer Schleusengröße, wird hier eine ganz andere Bandbreite geboten:

  • Flüsse mit 2 km/h Strömung (Maas) bis zu 6 km/h und 400 m Breite (Waal, ist ein Mündungsarm des Rheins) und jeder Menge „dicker Pötte“ der Berufsschiffer. Flüsse, bei denen man mit der Flut im Rücken bergauf fährt (Holländische Ijssel bis Gouda). Ab Gouda bis Nieuwegein wird es dann idyllisch. Die Durchfahrt in Oudewater ist geradezu pittoresk – reinstes Disneyland im Original.
  • Kanäle von 150 m Breite, mit massiver Eindeichung und schnurgradem Verlauf (Amsterdam-Rhein Kanal). Als Gegensatz hierzu gibt es wohl noch einen 20 km langen Kanal (Vianen bis Gorinchem), der romantisch sein soll. Allerdings war der bereits gleich am Anfang gesperrt, da im weiteren Verlauf eine bewegliche Brücke schlichtweg kaputt war und für mehrere Tage ausfiel.
  • Schleusen von 200 m Länge, bei denen man mit den schwer dieselnden Binnenkähnen zusammen geschleust wird. Es ist aber auch passiert, dass unser 15 m Bötchen in so einem Riesentrog einsam und allein Fahrstuhl gefahren ist.
  • Liegeplätze inmitten herrlicher Natur (Biesbosch, mit Ausblick auf ein 2 km entferntes Großkraftwerk – das war nicht weiter schlimm, man musste ja nicht in die Richtung schauen). Mondäne City Marina (Rotterdam) mit edlen sanitären Anlagen. Uferliegeplatz gegenüber einer Kirche (Montfort) mit halbstündigen Glockenschlägen.

Schleusen und bewegliche Brücken wurden bei Annäherung im allgemeinen zeitnah automatisch geöffnet. Sollte es einem doch einmal zu lange dauern, ist irgendwo ein kleiner Knopf oder gar eine Wechselsprechanlage. Funk- oder Telefonanmeldungen waren nicht notwendig. Schleusen und Brücken sind kostenfrei. An einer Brücke allerdings waren 2 € via Holzschuhangel fällig. Ich vermute, dass es sich hier eher um eine touristische Attraktion handelt.

Übrigens, die Berufsschiffer verhielten sich friedlich. Wir sind auch immer brav am äußerst rechten Rand des Fahrwassers gefahren.

Fazit

Das, zumindest in dieser Jahreszeit nicht überlaufene Revier, ist allemal eine Hausbootfahrt in Holland wert. – Toll.

Hans-Georg Harbig

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