Reisebericht Seille/Saone April 2011

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Reisebericht Seille/Saone April 2011

Beitragvon velles am Sa Nov 17, 2012 11:30 am

Hallo,

Im April 2011 haben wir unseren zweiten Hausbooturlaub (nach jenem 2008 am Canal du Midi) genossen.
Wir waren in der Karwoche unterwegs. Da Ostern 2011 auf den spätmöglichsten Termin fiel (3. Aprilwoche) haben wir es gewagt, diese Ferien für eine Hausboottour zu nutzen.
Ein Hauptgrund war der günstigere Bootspreis gegenüber der Hauptsaison; angenehmer Nebeneffekt - weniger Boote unterwegs und dadurch gutes Fortkommen an den Schleusen.
Wir haben recht kurzfristig gebucht, denn manche Anbieter wie FPP oder Le Boat bieten da nochmals stark vergünstigte (Einweg)Touren - mit teilweise 40-50 oder auch schon mal 60% Ermäßigung.

Wunschgebiet wäre das Nivernais gewesen, aber im Prinzip war es uns egal, nur keine weite Anreise wie Midi, Westfrankreich oder Bretagne. Also irgendwo Burgund oder Elsaß usw.

Wir wollten zuerst nach Möglichkeit wieder eine Tarpon 37N wie am Canal du Midi, da uns das Boot da eigentlich gut gefallen hatte (lediglich die Koje mit den zwei Stockbetten ist eher was für kleine Leute). Allerdings war im Nivernais da keine frei. Ich habe mehrere Anbieterseiten regelmäßig durchsucht - und plötzlich bot da doch einer eine Tarpon für 50% Ermäßigung im Nivernais an. Ja toll - also angeschrieben (war Wochenende) und am Montag kam dann die Rückantwort: leider kein Boot zu diesem Preis im Nivernais verfügbar, aber in der Bretagne könnten sie eines anbieten...
Hab dann festgestellt, dass das wohl nur ein Lockangebot war, denn die Tarpon, war auch Tage vor Reiseantritt da noch als Verfügbar im Nivernais drinnen, so wie viele andere Angebote auch.

Aber egal, dann suchen wir halt ein anderes Boot, Auswahl war noch genügend.
Bedingungen - es sollten 7 Personen Platz haben, ein Außensteuerstand und eine große Terasse an Deck...

Ziemlich groß war das Angebot bei Le Boat und schlußendlich entschieden wir uns für eine Normandie, die ab der Basis Branges an der Seille für eine Einwegfahrt nach Gray an der Saone zur Verfügung stand. Zwar ein relativ altes Boot und ohne Bugstrahlruder, aber sehr groß und unseren Wünschen entsprechend - und absolut günstig.
Wir haben für die Woche gerade mal nicht ganz 700€ für die Miete gezahlt (Betriebskosten und PKW Überführung kamen natürlich noch extra dazu). Das war 50% vom normalen Tarif zu dieser Saison.

Die Anreise über die Schweiz verlief problemlos und wir waren gegen 1100 Uhr an der Basis in Branges. Um 1330 sei das Boot fertig wurde uns mitgeteilt - super, also gerade noch Zeit für eine Fahrt ins nahe Louhans um ein wenig die Stadt anzuschauen und für einen Großeinkauf. Vorher noch schnell die Räder abgeladen und das Gepäck ausgeräumt ins Büro der Basis.
Wir waren dieses Mal wieder drei Erwachsene und vier Jugendliche.

Die Hauptstraße von Louhans - die Hauptstadt der Bresse - bekannt durch die berühmten Hühner, die in der Gegend im Freien großgezogen werden) wird links und rechts von alten Arkaden gesäumt.
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Es hat mehrere Supermärkte und wir konnten uns bestens mit Proviant eindecken.
Zurück nach Branges und Boot beladen, dann die technische Erklärung - und dann soll ich kurz zeigen, dass ich das Boot beherrsche. (Ich hab erwähnt, dass ich ein Bodenseepatent für Motor- und Segelboote habe und 2008 am Canal du Midi unterwegs war) Ok - ein Mal bei der Basis 50m nebenan in das Becken mit der alten Mühle, am Stand wenden und bei der Basis anlegen um den Stationsleiter, der uns noch gute Fahrt und eine schöne Woche wünscht, von Bord zu lassen.
Und dann geht es raus auf die Seille; ich fahre zum ersten Mal auf einem Fluß. Alles nicht ganz so eng wie am Canal du Midi ;-)
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Re: Reisebericht Seille/Saone April 2011

Beitragvon velles am Sa Nov 17, 2012 12:10 pm

Auch wenn unser Boot schon ein älteres Modell ist und Jahrzehnte am Buckel hat, ist es sauber, gut ausgestattet und tadellos zu fahren (auch ohne Bugstrahlruder). Und vor allem es hat viel Platz in den "Gemeinschaftsräumen - sprich Salon und an Deck.
Da wir ja sieben Personen sind und es drei Doppelkabinen hat, werde ich im Salon schlafen, wo man die Sitzgelegenheiten nochmals zu zwei Doppelbetten umbauen kann. Das ist insofern auch kein Problem, da ich eher Frühaufsteher bin, der dann immer in die Bäckerei radelt um Brot und Gebäck fürs Frühstück zu holen (derweilen kocht mein Vater immer Kaffee und deckt auf), bis die anderen aufstehen.
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Ab Branges hat es auf der Seille zwei Schleusen, die unbesetzt sind und daher von der Bootscrew selbst händisch zu betätigen sind. Daher lasse ich die Jungmannschaft zum "Kurbeln" bei der ersten Schleuse in Loisy an Land.
Das ist etwas mehr Arbeit, denn ein Stück vor uns Flussabwärts war ein Boot und so ist die Schleuse erst mal zu schließen, mit Wasser zu füllen und zu öffnen, bevor wir einfahren und runterschleusen können. Geht aber alles problemlos, obwohl das unsere erste manuelle und selbst zu bedienende Schleuse ist.
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Die Mühle von Loisy:
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Re: Reisebericht Seille/Saone April 2011

Beitragvon velles am Sa Nov 17, 2012 12:34 pm

Inzwischen ist uns ein Boot entgegen gekommen - und so ist die zweite Schleuse bei Cuisery schon "fertig" zum einfahren.
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Im Gegensatz zu einem Kanal gibt es an einem Fluß einen weiteren Unterschied (neben der Breite): das naturnahe Ufer mit Baum und Strauchbewuchs lässt wesentlich weniger oft ein Anlegen am Ufer zu. So muß man die Fahrt bezüglich Übernachtungsplatz auch diesbezüglich etwas anders planen.
Entweder man verwendet einen der auf der Karte ausgewiesenen Bootstege oder man hält nach einem der raren Flecken Ausschau, wo man bis ans Ufer fahren kann. Bei Ratenelle soll es nochmals einen Steg haben, den peilen wir für heute an, denn es ist schon spät genug, es wird ja doch früher dunkel als im Sommer; allerdings Fehlanzeige, so bleibt uns nur die "Botanik", wobei ich der sowieso im Normalfall den Vorzug gebe. Und wir finden auch gleich hinter dem Ort einen schönen Fleck am Ufer, wo wir festmachen können.
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Einer meiner Söhne hat den Grill zusammengebaut und so landen Steaks, Merguez, Saucisses und Co am Grill - die Saison ist eröffnet!
Wir erleben einen wunderschönen Sonnenuntergang an diesem ruhigen Fleck. Wegen der einsetzenden Dunkelheit (ich grille an Land mit der Stirnlampe - davon gibt es zwar auch ein Foto, aber das zeige ich hier jetzt natürlich nicht... ;-) ) und weil es halt Abends doch noch etwas kühler ist, wird drinnen gegessen.
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Re: Reisebericht Seille/Saone April 2011

Beitragvon velles am Sa Nov 17, 2012 12:40 pm

Weil von diesem ländlichen Platz kein Fortkommen mit dem Fahrrad möglich ist, gibt es zum Frühstück Baguette und Brot vom Vortag.
Aber die Natur entschädigt das vollkommen. Wir erleben einen fantastischen Morgen.
Nebelstimmung am Fluss:
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Die Sonne geht auf...
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und dadurch beginnt sich auch der Nebel immer mehr zu lichten
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Re: Reisebericht Seille/Saone April 2011

Beitragvon velles am Sa Nov 17, 2012 12:46 pm

wunderschön hier...
und ich denke auch die nächsten Bilder zeigen, warum ich eigentlich so gerne mit dem Hausboot unterwegs bin: eine gemütliche Sache mit sehr viel (meist wunderbarer) Naturlandschaft.
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Re: Reisebericht Seille/Saone April 2011

Beitragvon velles am Sa Nov 17, 2012 12:53 pm

Die Seille ist ein linker Nebenfluss der Saône und von Louhans bis zur Mündung bei La Truchére auf 39km schiffbar (4 Schleusen).
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Nach dem herrlichen Sonnenaufgang und der tollen Morgenstimmung geht es weiter Flussabwärts und nach der von einem Schleusenwärter bedienten letzten Flussschleuse auf die Saône Richtung Norden.
Jetzt kommt die Saône:
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die ist natürlich ein ganzes Stück größer als die Seille und dadurch nochmals wesentlich breiter
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Re: Reisebericht Seille/Saone April 2011

Beitragvon velles am Sa Nov 17, 2012 1:21 pm

Obwohl es gegen den Strom geht kommt man normalerweise recht zügig auf der Saone voran - man darf ja auch im Gegensatz zur Seille oder auf Kanälen mit den Hausbooten hier "Vollgas" fahren :-) (bis Auxonne werden wir auch nur 3 Schleusen haben) und so sind wir schon vor Mittags in Tournus (mit fast 6000 Einwohnern mal eine größere Ansiedlung) wo wir am Anleger der Stadt festmachen und erst mal die Stadt besichtigen gehen.
Sehenswert neben alten Häusern auch die Kirche St. Philibert aus dem frühen 11. Jahrhundert.
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Wir machen dann gerade noch Mittagspause und auch die eingekauften Köstlichkeiten aus einer Patisserie verschwinden da auch gleich schon wieder...
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Re: Reisebericht Seille/Saone April 2011

Beitragvon velles am Sa Nov 17, 2012 1:46 pm

das gilt auch für die Spezialität "Tournusien" (eine Mandeltorte):
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Die Jungs schnappen sich nach dem Mittagessen zwei Fahrräder, sie wollen eine Zeit lang am Flussuferweg entlangfahren.
Wir kommen nach kurzer Fahrt zur für uns ersten Großschleuse von Ormes.
Bis Auxonne ist die Saône von großen Frachtkähnen und Flußkreuzfahrtschiffen befahrbar und hat mindestens 3m Tiefgang und 6m Durchfahrtshöhe unter den Brücken.
Die Großschleusen messen beachtliche 185 × 12 m.
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In diesen müssen die an Deck befindlichen Personen eines Hausbootes bei der Schleusung Schwimmwesten tragen
Nördlich von Auxonne haben dann die Schleusen noch mind. Freycinet Maß von 38,5 m × 5,05 m
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Zuletzt geändert von velles am Fr Aug 15, 2014 12:39 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Reisebericht Seille/Saone April 2011

Beitragvon velles am Sa Nov 17, 2012 1:53 pm

Die Saone ist im Moment durchschnittlich gut 200m breit und wirkt fast wie ein See.
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Ziel für heute ist die Stadt Chalon sur Saone - und hier liegen gleich drei dieser großen Flußkreuzfahrtschiffe die so eine Großschleuse komplett ausfüllen...
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die kleineren Boote liegen aber nicht am Stadtkai sondern in einem kleinen Sporthafen in einem Saone Seitenarm.
Hier kostet das Anlegen über Nacht aber natürlich eine kleine Gebühr.
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Re: Reisebericht Seille/Saone April 2011

Beitragvon velles am Sa Nov 17, 2012 2:00 pm

und natürlich ist erst mal Landgang angesagt um das Zentrum der doch größeren Stadt (45.000 Einwohner) zu besichtigen.
Die Kathedrale St. Vincent wurde vor kurzem außen renoviert
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der Platz St. Vincent vor der Kathedrale mit alten Fachwerkhäusern
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und eine Seitenstraße
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Zuletzt geändert von velles am Mo Nov 19, 2012 12:35 pm, insgesamt 1-mal geändert.
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