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8.09.2014

Friesische Seenplatte Reisebericht Hausbootferien

Akrum-hausboot-anlegerReisebericht Friesische Seenplatte ab Jirnsum
Hausboote: Frisian Star + Jiselkruiser
Reisezeit: August 2014


1. Tag

Nachdem wir gestern Abend in Jirnsum anreisten, bei der ersten „On-Bord-Übernachtung“ uns mit dem Schiff vertraut machen konnten, erfolgt heute gegen 9.00 Uhr die Anmeldung im Büro von FNMA Charter bei Herrn und Frau van der Wal. Kurze Infos mit Kautionsübergabe, sachdienliche Hinweise – und Spannung auf die bevorstehende technische Übernahme unserer Yachten. Es ist die „Friendship“ – eine 12-mtr.-Yacht der „IJsselcruiser-Klasse“ für 8 Personen mit 4 Kabinen. Unsere Freunde übernehmen derweil die „Frisian Star 1“ – ein kleineres 4-Mann-Boot mit 9 mtr. Länge. Und dann geht es ganz schnell – kurzes Erklären der Gegebenheiten an Bord durch den Sohn des Chefs, dann ablegen – Schnellkurs für friesische Gewässer in 15 min. statt einwöchigem Bootsführerschein – ob das mal gut geht?


Beim Ablegen vergisst unser Freund seine Frau am Steg, kann diesen Fauxpas aber durch ein riskantes Wieder-An-und Ablegemanöver ausgleichen …

Und ab geht’s über den Prinses-Margriet-Kanaal Richtung Norden. Der Fluss gleicht einer Autobahn in der Rushhour. Und zwischendurch Tanker mit häusergroßen Ankern am Bug. Dieb Sonne scheint, die Kinder im „Laderaum“ werden quängelig – Zeit zum Baden. Wir halten Ausschau nach einem Anlegeplatz, finden ihn dann auch und schaffen es nach 2 Versuchen. Erst mal abkühlen, um die frühe Anspannung abklingen zu lassen. Segler machen es uns mit gewagten Windkreuzungsmanövern auf dem schmalen Kanal nicht unbedingt leichter.

Es ist jetzt gegen 16.00 Uhr und wir finden – genug Flusserfahrung für heute! Also wird der nächste Yachthafen – nämlich Earnewald im Gebiet „De Alde Feanen“- angesteuert. Aus dem Wirrwarr von Masten und Booten zeichnet sich eine schnörkellose Hafeneinfahrt mit herrlichem Liegeplatz in direkter Linie für unser Boot ab. Allein die Hafenmeisterin findet, dass unser Freund den letzten Platz in der hintersten Ecke des Hafenbeckens anfahren soll – was er dann auch bravourös meistert. Für uns wäre ein weiteres Einparkmanöver heute zu viel des Guten. Der Abend vergeht nach einem Spaziergang durchs kleine Örtchen und herrlichen Rouladen, Klößen und Rotkraut mit einem mehrfachen Anerkennen der eigenen Leistungen. (Hafengebühr € 22)

2. Tag
Erste technische Fragen tauchen auf. Bei der obligatorischen Vor-Ablegen-Motorrauminspizierung stellen wir fest, dass sich unter dem Sieselmotor auf dem Boden unserer Yacht eine
50 cm breite schwarze Öllache befindet. Die war gestern bei Schiffsübernahme noch nicht da. Mit dem folgenden Anruf beim Charterservice bekommen wir gesagt – alles sei o.k. – Ruhe bewahren. Auch den verrücktspielenden Öldruckmesser bräuchten wir nicht zu beachten … Nach kurzer Besprechung und herrlichen Sonnenstrahlen steuern wir weiter Richtung Norden – Ziel Leeuwarden und evtl. später bis Franeker.

Zielsicher fahren wir am ersten ausgewiesenen Yachtausfahrt Leeuwarden-Ost vorbei – sicher kommen da noch einige Hafeneinfahrten!? – merken aber bald, dass diese Entscheidung vielleicht nicht die richtige war. Vorbei an traumhaften Wassergrundstücken mit außergewöhnlicher Reihenhausarchitektur machen wir
„Kilometer“ auf dem breiten Kanal unterhalb der Hauptstadt Frieslands, passieren mehrere feste Brücken, Industriegebiete und Schrottplätze und stellen fest, dass die westliche Einfahrt in die Stadt Richtung Dokkum mit mehreren Brücken doch keine so gute Idee war. Vor der ersten stylisch extraordinairen Zugbrücke bildet sich ein Massenstau aus Motor- und Segelbooten. Für uns zu eng – deshalb drehen wir „zur Freude“ unserer Nachbarschiffe ab – und nehmen Kurs Richtung Franeker über den Van-Haringxma-Kanaal. Nach einer weiteren Stunde gehen wir in einem Industriehafen eines Seitenableger vor Anker. Kaffee-, Volleyball- und Verschnaufpause nach 4 Stunden Fahrt. Dem umgehend auftauchenden Hafenmeister müssen wir leider sagen, dass er kein Übernachtungsgeld von uns bekommen wird. Franeker und die letzte bewegliche Brücke für heute tauchen auf. Nach kurzer Durchfahrt erreichen wir den hiesigen Yachthafen und werden mit einem herrlichen Liegeplatz belohnt. Grillzeug wird ausgepackt, die Sonne steht
schon sehr tief … (Hafengebühren € 16)

Der Tag ist noch nicht zu Ende, da passiert das nächste technische Malheur. Im „Salon“ stinkt es penetrant nach faulen Eiern. Wieder wird Herr van der Wal telefonisch um Rat gefragt. Seiner Meinung könnte es eine Batterie sein, die ihren Geist aufgegeben hat und nun nachgast. Daher würde sich der Schwefelsäuregeruch erklären. Gleich morgen 9.00 Uhr komme der Reparaturdienst vor Ort. Die folgende Nacht gestaltet sich geruchsmäßig grenzwertig. Trotz aller offenen Fenster und Luken ziehen einige den Schlaf im Freien – auf dem Deck , wenn es auch empfindlich kalt ist – vor.

3. Tag
Pünktlich 9.00 Uhr erscheint ein freundlicher Herr Smit vom Reparaturservice Irnsum, hat 3 neue Batterien im Gepäck, wechselt dies aus und nach großem Durchlüften alles ist wieder schön. Beim Studieren der Karten stellen wir fest, dass unsere „Friendship“ mit angegebener Höhe von 3,80 mtr. für die meisten „kleinen Routen“ im Norden zu hoch ist. Eine ideale Fahrt über Bolswarden oder Sneek wieder Richtung Süden fällt damit durch die max. Brückenhöhe von 2,40 mtr. leider aus. Auch ein Abbau der Persenning würde die Höhe zwar auf ca. 3,00 mtr. reduzieren, aber trotzdem nicht viel helfen. Schade. Den Tag lassen wir mit einer entspannten Shopping/Flanierrunde durch Franeker – Hauptstadt des friesischen Kaatsen (Das Stadion mit den 2 Türmen ähnelt der Quidditch-Arena von Hogwarts) – angehen. Gegen 15.00 Uhr legen wir ab und fahren auf demselben Van-Haringxma-Kanaal wie gestern aus besagten Gründen wieder zurück nach Leeuwarden. Wassersportlicher Höhepunkt – Fendersurfen – mit entsprechend langer Leine an der hinteren Leiter festgemacht und einem starken Motor kann man schon Spaß haben.

In Leeuwarden bekommen wir 2 unterschiedliche Anlegeplätze im Neuen Yachthafen – der folgende Spaziergang ins Zentrum dauert ca. 30 min. Dort probieren wir beim „Fliegendem
Holländer“ die einheimische Küche. (Hafengebühr €15)

4. Tag
Gleich nach dem Ablegen passiert der Alptraum eines jeden Hobbykapitäns. Nachdem unsere Freunde schon gestern Anlassprobleme hatten, der Motor dann doch irgendwie ansprang – geht dieser heute Morgen mitten im Yachthafen aus und macht keinen „Zuck“ mehr. Also treibt das Schiff auf den nächsten anliegenden Kahn mit Kollisionskurs zu. Zum Glück sitzt dort ein netter Herr im angelegten Schlauchboot, der uns hilft, das steuerlose Boot an einen freien Anlegeplatz mit Leinen zu ziehen. Nachdem das glücklicherweise geschafft ist, folgt der obligatorische Anruf beim Technikservice. Mittels Ferndiagnose, dem Bedienen von versteckten Schaltern und sachdienlichen Hinweisen können wir den Motor doch noch starten und es geht Richtung Sneeker Meer. Da wir durch die Startschwierigkeiten erst gegen 13.00 Uhr loskamen, entschließen wir uns, in Akkrum zu übernachten. Zwischendurch wieder erholsame Badepause. Dort angekommen führen wir gekonnte Rückwärtseinparkmanövern durch, um 2 sehr schöne
Liegeplätze zu bekommen. Dem gemütlichen Spaziergang ins kleine Städtchen folgt ein opulentes Essen beim China-Mann. (Hafengebühren € 17,50)

5. Tag
Heute scheint sich der Himmel zuzuziehen – wir starten Richtung Lemmer. Dabei müssen wir mehrere Seen wie das Sneeker Meer, die Langwarder Wielen, das Koevorder Meer und das Grotte Brekken durchqueren. Segelboote kreuzen uns ab dem Sneeker Meer permanent den Weg und lassen manchmal bis auf die letzte Sekunde ein Wendemanöver hoffen. Nach knapp 4 Stunden Fahrt legen wir in Lemmer an und besichtigen, verbunden mit einem Restaurantbesuch im „Langen Piet“, das schöne Städtchen am IJsselmeer. Vorher gab es allerdings noch diverse Stromprobleme, nämlich die, dass nach dem Anlegen kein Landstrom anlag. Nachdem ich zwei andere Schiffsbesitzer um ihre Adapter zur Überprüfung bat und diese tadellos funktionierten, rief ich wieder mal beim FMNA-Jachtcharterservice an. Herr van der Wal geleitete mich zielsicher zum Sicherungskasten hinter der Wandverkleidung in der Dusche. Kann ja mal passieren, dass eine Sicherung rausspringt. Am Abend regnet es das erste Mal in unserem
Urlaub … (Hafengebühr € 26 + Brötchenservice)

6. Tag
Heute soll’s wieder Richtung Jrnsum zurückgehen. Aber bevor wir starten, nutzen wir das herrliche Wetter für einen ausgiebigen Strandbesuch am Lemmer IJsselmeer . Volleyballspielen, Baden, Relaxen – einfach herrlich. Gegen 15. 00 Uhr starten wir Richtung Heeg über das Sloter Meer und Woutsend. Zum ersten Mal zahlen wir in einen Holzschuh an den Brückenwärter „Zoll“ (€ 2), passieren wunderschöne Orte mit malerischen Mühlen und legen nach 2,5 Stunden in Heeg an. Mitten zwischen alten zum Verkauf stehenden Segelyachten. Der kleine Ort Heeg ist schnell erreicht und erkundet. Zwischen den restaurierten Schiffen genießen wir einen herrlichen Sonnenuntergang. (Hafengebühr € 27)

7. Tag
Letzter Tag – nachdem wir schweren Herzens alles zusammengepackt haben, fahren wir ohne große Umwege über das Sneeker Meer und den wieder viel befahrenen Prinses-Margriet-Kanaal nach Jirnsum zurück. Dort angekommen geht alles ganz schnell. Mittlerweile gekonnt angelegt wird Diesel und Wasser aufgetankt, wir laden unsere Taschen aus und schon übernimmt ein „Putzgeschwader“ das Kommando auf unserem „Schiff“. Herr van der Wal verrechnet die Kaution mit den Dieselkosten – völlig unkompliziert. Noch ein kurzer Blick zur „Friendship“ und „Frisian Star 1“ – und unsere schöne Woche in Friesland ist beendet …

Unsere Route im August 2014 verlief über folgende Stationen:
Jirnsum – De Alde Feanen (Earnewald) – Franeker – Leeuwarden – Akkrum – Lemmer – Heeg – Jirnsum (Sneek soll sehr schön sein, war uns aber aufgrund der Sneeker Segelwoche viel zu voll) Die Platzverhältnisse an Bord entsprechen Caravan-Camping. Wer nicht nur eine kleine Doppelstockkoje als 2-Bett-Zimmer will, sollte sich ein entsprechend größeres Boot aussuchen oder mit weniger Personen an Bord gehen. Die Ausstattung mit Küchengeräten, Töpfen etc. war optimal. Wie oben beschrieben gab es mehrere technische Probleme, die aber alle nach FNMA Service-Kontakt behoben werden konnten. Vielleicht hatten wir eben nur etwas Pech in der Aneinanderreihung der Vorfälle. Bei der Auswahl der Fahrstrecke waren unsere Freunde mit ihrem kleineren und niedrigeren Boot (Höhe 2,30 mtr.) eindeutig im Vorteil – und hätten fast alle Kanäle befahren können, welche uns mit 3,80 mtr. leider verwehrt blieben. Dafür fehlte ihnen das Sonnendeck mit Ruderstand – bei schönem Wetter ein Muss, will man nicht ständig „unter Deck“ stehen und durch ein kleines Fenster schauend den Kahn steuern. Die Hafengebühren sind nur für unsere 12-mtr.-Yacht und 8 Personen angegeben. Man sollte mit ca. € 1,00 pro lfd. Meter Bootslänge + € 070 – 1,50/Person/Nacht + Strom rechnen. Duschen, WC’s sowie Strom gibt’s in jedem Yachthafen – die Einkaufsmöglichkeiten jedoch sind sehr unterschiedlich entfernt. (von angrenzend bis 30 min. Fußweg – hier empfiehlt sich das sagenumwobene Klapprad an Bord)

 

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