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14.12.2012

Sauerkrauttour Hausbootferien

Sechs Freunde auf dem Sauerkraut-Trip

Route Choucroute (Petit)
vom 18. Mai bis 1. Juni 2012ab und bis Lutzelbourg
durch Elsass, Lothringen, Luxemburg,
Rheinland-Pfalz und Saarland

18.5.2012   Mönchengladbach – Lutzelbourg

Wir starten morgens um 8.00 Uhr in Mönchengladbach. Sechs Erwachsene in einem VW Touran! Es wurde zuvor die Parole der äußersten Gepäcksparsamkeit ausgegeben. Für jeden nur ein Gepäckteil! Die Dachbox und alle möglichen Innenflächen sind effektiv gepackt, Ute und Angela auf der Hinterbank haben wenig Freiraum, lächeln aber alles weg.

So sind wir denn um 9.00 Uhr auf der A 61 und fahren Richtung Koblenz. Es regnet in Strömen. Schnell wird der mitgebrachte Sekt gereicht (natürlich nur an die Beifahrer!) und auf eine schöne Ferienzeit angestoßen. Nach unserem Frühstück in der Raststätte Brohltal ist es trocken. Weiter geht die Fahrt über Mendig auf die A 4 in Richtung Tier, Saarbrücken.

Um 13.00 Uhr erreichen wir unseren Ausgangs- und Zielhafen Lutzelbourg.

Es scheint die Sonne. Der kleine Hafen von Locaboat Plaisance ist sauber und die Mitarbeiter sehr freundlich.

Um 15.00 Uhr ist unsere Penichette 1400 FB mit Nahmen TOUL bereit zum einchecken.

Schnell sind die wenigen Habseligkeiten verstaut und ein Teil der Crew macht sich auf den Weg nach Phalsbourg zum Einkaufen, der schließlich 600 Euro teuer werden soll und u.a. 150 Dosen leckeres Kronenbourg umfasst.

Um 18.00 Uhr essen wir im kleinen Hotel „des Vosges“ an der Schleuse in Lutzelbourg. Wir bestellen zweimal Baeckeoffe, eine Schlachtplatte und einen Flammkuchen. Utes Kalbsrückensteak entpuppt sich nach einigem Warten als Kotelette. Nichts Besonderes, dafür preiswert aus ganz besonderem Grund …

Der Abend klingt aus bei warmem Wetter auf dem Achterdeck mit Blick auf die Burgruine von Lutzelbourg. Untermalt vom munteren Gesang einer anderen Crew und dem gelegentlichen Pfeiffen des TGV bei der Einfahrt in den Tunnel. Romantisch!

19.5.2012    Lutzelbourg – Port Ste. Marie

Die Sonne lacht uns in die Kajüte. Um 9.30 Uhr hält unseren Skipper Manfred nichts mehr: Leinen los, Schiff drehen und ab geht die Fahrt auf dem Rhein-Marne-Kanal in Richtung Nancy.

Gleich hinter unserem Heimathafen liegt die erste von heute geplanten 10 Schleusen. Das Manöver klappt gut, die Schleusencrew muss sich noch einspielen. Um 10.00 Uhr sind wir am Schiffshebewerk in Arzwiller. Kern ist ein auf Rollen gelagerter Trog, der durch Seile gehalten wird und sich mit zwei Gegengewichten im Gleichgewicht befindet. Der Trog ist 41,50 m lang und 5,50 m breit. Die Wassertiefe beträgt 3,20 m; der mit Wasser gefüllte Trog wiegt etwa 900 Tonnen. Er wird durch elektrisch angetriebene Winden auf einer schiefen Ebene mit einem Gefälle von 41 % senkrecht zu seiner größten Ausdehnung bewegt. Die schiefe Ebene verbindet den bergseitigen Kanal, der aus Richtung Nancy kommt, mit dem talseitigen Kanal, der weiter in Richtung Strasbourg führt.

Bei der Talfahrt wird der Trog mit so viel Wasser gefüllt, dass sein Gewicht etwas größer ist als das der Gegengewichte. Für die Bergfahrt lässt man umgekehrt etwas Wasser in den talseitigen Kanal abfließen, so dass der Trog etwas leichter ist als die Gegengewichte. Für den Antrieb des Troges reichen daher zwei Elektromotoren mit Leistungen von je 120 PS aus.

Wir brauchen nicht lange zu warten und werden zu Berg gehoben. Oben geht es weiter auf dem Kanal in Richtung Nancy. Dort wartet das nächste Großereignis: die Durchfahrt mit unserem Schiff durch die beiden insgesamt rund 2.500 m langen Tunnel. Sie sind gut beleuchtet und schnurgerade. Das erleichtert das Navigieren.

Bei Gondrexange zweigt der Saarkohlekanal nach Norden ab. Auf diesem wollen wir in rund zwei Wochen wieder zurückkommen. Heute geht es aber weiter Richtung Nancy.

An der Schleuse 2 erhalten wir ein Funksignalgerät zur Bedienung der nächsten 27 Schleusen. Das funktioniert prima: Rund 100 m vor einer Schleuse nimmt ein Signalempfänger unser Zeichen auf und bestätigt dies durch ein Blinksignal. Alles Weitere läuft automatisch ab.

Um 17.25 Uhr ist für heute Schluss und wir machen fest in Port Ste. Marie – ein kleiner Hafen ohne jeden Komfort. Es werden aber zurzeit zumindest Stromanschlüsse gebaut. Den Sonnenuntergang erleben wir an Deck bei einem üppigen Spargelessen. In der Nacht kommt kräftiger Regen auf.
20.5.2012    Port Ste. Marie – Nancy

Heute haben wir 16 Schleusen vor uns. Daher drängt unser Skipper auf frühes Ablegen. Um 8.30 Uhr fahren wir los, damit wir bei Schleusenöffnung gleich um 9.00 Uhr bedient werden. Bedient sind wir dann schnell – nicht wegen der Schleusentechnik, sondern wegen des zweiten Schiffes in der Schleuse. Es kommt hässliches Gemecker von dort und Getue von wegen Eignerschiff und langjähriger Erfahrung. Wenn die von der jahrzehntelangen Erfahrung unseres Skippers gewusst hätten, wären sie sicher blass geworden. Aber was soll’s! Wir haben Urlaub und wollen uns nicht ärgern!

Die Fahrt geht weiter an den Örtchen Lagarde und Einville vorbei. Bei herrlichem Sonnenschein gibt es zum Mittagessen Bratkartoffeln mit Spiegelei auf dem Achterdeck. In Dombasle-sur-Meurthe fahren wir an dem imposanten Salzwerk der Firma Solvay vorbei. Etwas im Hintergrund des Kanals liegt St. Nicolas-de-Port. Die große Kirche mit ihren beiden Türmen sieht eindrucksvoll aus. Willi stört die fehlende Symetrie – der eine Turm ist höher als der andere. Der Ort ist geschichtlich bedeutsam, da hier Karl der Kühne am 5.1.1477 bei der Schlacht um Nancy zu Tode kam.

Um 18.00 Uhr liegen wir fest im schönen betriebsamen Hafen von Nancy. Manfred hat unsere TOUL bravorös rückwärts in eine enge Lücke eingeparkt. Was sogar dem Eigner eines schweizerischen Schiffes neben uns imponiert. Der Hafenmeister sieht in allem und jedem ein „großes Problem“. Das hindert unsere Crew nicht an einer Duschorgie an Bord. So feingemacht geht es zur Stadtbesichtigung los. Wir wollen unbedingt u.a. die berühmte Place Stanislas sehen.

Seine größte Blüte erlebte Nancy unter den Herzögen Anton (1489–1544) und Karl III. (1543–1608). Damals wurde im Süden der Altstadt die Neustadt planmäßig gegründet, ein Netz rechtwinkelig sich kreuzender Straßen. Nancy gehörte bis ins 18. Jahrhundert zum Herzogtum Lothringen und damit zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Nancy besitzt eine sehenswerte Innenstadt. Die südlich gelegene Neustadt hat ihr Zentrum um die Place Stanislas, benannt nach dem ehemaligen polnischen König Stanislaus I. Leszczyński, der nach der Niederlage im Polnischen Erbfolgekrieg 1737 durch seinen Schwiegersohn Ludwig XV. mit dem Herzogtum von Lothringen und Bar abgefunden wurde. Die Place Stanislas, ehemals Place Royale, folgt dem Typus französischer Königsplätze mit einheitlich gestalteten Fassaden um ein zentrales Herrscherbild. Das Denkmal war einst König Ludwig XV. von Frankreich gewidmet, nach Stanislas’ Tod auch der Herrscher über Lothringen. Das heutige Monument aus dem 19. Jahrhundert zeigt hingegen Stanislas selbst. Die gesamte Südseite des Platzes nimmt das Rathaus ein, in dessen Treppenhaus und Saal ein Bildprogramm die segensreiche Regierung Stanislas’ preist. Im Osten und im Westen nahmen je zwei palastartige Pavillons Einrichtungen des Hofes, der Verwaltung und der Bildung auf. Heute befindet sich im Nordwesten der Musée des Beaux-Arts und im Nordosten das Opernhaus.

Wir sind beeindruckt und nehmen in einem schönen Café bei warmem Wetter auf dem Platz einen Drink. Besonders schön soll der Platz sein, wenn er effektvoll beleuchtet wird. Willi ist überzeugt, dass alle Scheinwerfer um 21.30 Uhr angehen. Wir vertrauen dieser Aussage, obwohl inzwischen bedrohlich ein Gewitter aufzieht. Und tatsächlich: Punkt 21.30 Uhr erstrahlt der Platz im gut gestuften Schweinwerferlicht! Welch ein prachtvoller Anblick!

Wir schaffen es gerade noch vor dem Gewitter trocken zurück an Bord. Dann geht es aber los mit Donner, Blitz und Hagel. Was soll’s – wir liegen trocken und warm.

21.5.2012    Nancy – Metz

Das Gewitter der vergangenen Nacht hat die Temperaturen etwas gedrückt. Es ist kühl und bewölkt, als wir um 8.30 Uhr von unserem schönen Liegeplatz losfahren. Bevor wir auf die Mosel gelangen, benutzen wir gemeinsam mit zwei anderen Schiffen die letzte Schleuse des Kanals. Es geht 16 m hinab. Hier geben wir unseren „Schleusenpiepser“ wieder ab und fahren endlich um 11.00 Uhr auf die Mosel. Die bietet sich glatt und breit dar. Leider haben wir gleich an der ersten Schleuse eine lange Wartezeit, da auf der Mosel zuerst die angemeldeten Frachtschiffe geschleust werden.

13.30 Uhr – es zieht sich. Zusammen mit einem Frachtschiff geht es langsam voran Richtung Metz. 15.45 Uhr – noch eine Schleuse, dann ist es geschafft. Hoffentlich finden wir einen schönen Liegeplatz im Innenstadthafen!

JA – es ist geschafft! Wir liegen fest an einem wunderschönen Platz im Port des Régates mit Blick auf die älteste Kirche Frankreichs. Der Hafen bietet alle Annehmlichkeiten und liegt nur wenige Gehminuten vom Stadtzentrum. Wir unternehmen bei blauem Himmel und warmen Temperaturen einen Stadtbummel.

Bereits im 9. Jahrhundert zählte die Stadt Metz 39 Kirchen und Kapellen und zahlreiche Klöster und Stifte. Die ehemalige römische Basilika Saint-Pierre-aux-Nonnains gilt als die älteste Kirche Frankreichs. Ab dem 12. und 13. Jahrhundert kamen Bettel- und Ritterorden hinzu, die aus Metz eine mehrheitlich geistliche Stadt machten. So blieb das Stadtbild von Metz bis zum 16. Jahrhundert im Wesentlichen von Klöstern dominiert. Die Ankunft der Franzosen ab dem 16. Jahrhundert setzte dieser Periode ein Ende. Die Stadt mit religiösem Gepräge wandelte sich nun in ein militärisches Bollwerk gegen das Heilige Römische Reich deutscher Nation.

Wir besuchen zunächst die Kathedrale Saint-Étienne (deutsch: Stephansdom). Sie wurde zwischen 1220 und 1520 im Stil der Gotik errichtet und gilt als eines der schönsten und größten gotischen Kirchengebäude in Frankreich. Mit mehr als 41 Meter Gewölbehöhe ist sie nach Amiens und Beauvais die dritthöchste gotische Kathedrale; die Fläche ihrer Glasmalereien ist mit etwa 6500 m² die größte in einer französischen Kathedrale, daher der Name “La lanterne du Bon Dieu” (deutsch: “Die Ampel Gottes”). Sie dient als Bischofskirche des Bistums Metz.

Metz beherbergt den wichtigsten Binnenhafen für den Umschlag von Getreide in Frankreich. Metz ist hervorragend an das europäische Schienennetz angebunden. Der neue TGV Est verläuft von Paris aus über Metz weiter nach Luxemburg. Metz war der Endpunkt einer strategischen Eisenbahnlinie, der sogenannten Kanonenbahn, von Berlin über Wetzlar und Koblenz. Hierfür wurde der Bahnhof Metz errichtetet.

Das lange Laufen macht durstig. Zurück an Bord wird kräftig den gebunkerten Getränken zugesprochen, auf dass sie über Leber und Niere ihrer endgültigen Bestimmung überantwortet werden.

22.5.2012    Metz – Sierck-les-Bain

Wir können uns nur schwer von unserem schönen Liegeplatz trennen. Margrit probiert ihn sogar mit wichtigen Körperteilen aus. Aber Skipper Manfred ist unerbittlich: Um 9.00 läuft die Maschine und der Befehl „Leinen lösen“ hallt durch das Schiff. Um 11.00 Uhr hat die Sonne die letzten Wolkenreste vernichtet und strahlt vom azurblauen Himmel. Um 14.00 Uhr machen wir für eine Mittagspause in Thionville fest. Nachdem die Stadt wie ganz Frankreich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten einen Wirtschaftsaufschwung erlebte, setzte seit den 1970er Jahren der Niedergang der dominierenden Schwerindustrie (vor allem Abbau von Eisenerz) ein, so dass die Stadt und die gesamte Region mit wirtschaftlichen Problemen und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben. Thionville verfügt über eine erstaunlich gut und vielfältig erhaltene Bausubstanz. Trotz Kriegszerstörungen blieben zahlreiche Bauten erhalten oder wurden wieder restauriert. In der Regel handelt es sich um Bürgerhäuser und Villen aus der Wilhelminischen Ära sowie aus der Zeit des Fin de Siècle. Das ansonsten gut erhaltene Stadtbild wird allerdings durch etliche deplaziert wirkende moderne Hochhausbauten gestört.

Um 15.00 Uhr geht es weiter stromabwärts. Nach kurzer Fahrtzeit kommt die Burganlage der Herzöge von Lothringen in Sicht. Hier in Sierck-les-Bain finden wir einen schönen Anleger direkt am Fluß mit Wasser und Strom. Der Ort entstand um die Burganlage, die wohl im 10. oder 11. Jahrhundert in talbeherrschender Lage errichtet wurde. Um diese Zeit gelangte Sierck, zuvor unter der Herrschaft der Bischöfe von Trier, in den Besitz der Herzöge von Lothringen. Dies blieben, mit einigen Unterbrechungen, die Herrschaftsverhältnisse bis zum Vertrag von Vincennes im Jahr 1661, als Sierck der französischen Krone zugeschlagen wurde.

Unser Abendessen nehmen wir in einer kleinen Pizzeria im Ort ein. Das winzige Lokal ist urig. Pizza und Flammkuchen schmecken hervorragend. Der Besitzer hatte eine deutsche Oma und so ist die Verständigung einfach. Um 21.30 Uhr geht der Abend an Bord mit Blick auf die pünktlich beleuchtete Burg zu Ende.

23.5.2012    Sierck-les-Bain – Saarburg

Als wir um 9.00 Uhr losfahren, ist der Himmel noch bedeckt. Aber heute soll es wieder 28 Grad warm werden. In Apach verlassen wir mit der Schleuse französischen Boden. Der Schleusenwärter will sich über Handy nicht ansprechen lassen. „Schleusen werden per UKW angefordert“, meint er uns belehren zu müssen. Ein UKW-Funkgerät haben wir nicht an Bord und was sind Mobiltelefone anderes als moderne Funkgeräte? Aber Schleusenwärter sind die absoluten Herrscher ihres Arbeitsbereiches. Und so warten wir halt ergeben vor dem offenen Schleusentor 30 Minuten auf sein Grünlicht! Auch eine Möglichkeit der Disziplinierung.

In Luxemburg wird die Landschaft für uns moseltypisch. Wir sehen schöne adrette Orte. Bei Schnittchen und Sekt fällt in Höhe Wasserbillig die Entscheidung für Saarburg als heutiges Etappenziel. Um 14.00 Uhr fahren wir bei Konz in die Saar ein. Gleich die erste Saarschleuse in Kanzem ist imponierend: 12 m geht es hoch!

Um 16.00 Uhr fest in Saarburg, mit schönem Blick auf die Burgruine, sehr nahe der Stadt am Restaurant Fährhaus. Abendessen bei Amadeus direkt am Wasserfall. Um 19.30 Uhr sind wir wieder an Bord und erwarten die Burgbeleuchtung, die pünktlich – na, wann? – um 21.30 Uhr erstrahlt. Ja, auf unseren Willi kann man sich verlassen. Der hat überall seine Beziehungen …

24.5.2012    Saarburg – Merzig

Willi hat heute wieder für frische Brötchen zum Frühstück gesorgt, der Gute. Bei herrlichem Sonnenschein frühstücken wir auf dem Achterdeck. Um 9.00 Uhr läuft die Maschine wieder und alle wissen, was zu tun ist.

Bei Saarkilometer 33 beginnt die berühmte Saarschleife und alle sitzen gespannt an Deck. Die Sonne brennt. Die Saarschleife gilt als das Wahrzeichen des Saarlandes. Ins Rampenlicht rückt sie immer wieder, wenn Staatsoberhäupter sich dort einfinden. Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, besuchte den Aussichtspunkt Cloef mit Blick auf die Saarschleife am 29. September 1856. Adolf Hitler war am 16. Mai 1939 an dieser Stelle. Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder ließen sich am 4. August 1997 an der Cloef vor der Saarschleife fotografieren. Der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac und der inzwischen verstorbene polnische Präsident Lech Kaczyński fanden sich dort ein zu einem Dreiergipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 5. Dezember 2006.

Langsam wird die Sonne zuviel. Nur Skipper und Rudergänger halten noch aus, die anderen flüchten in den Schatten des Salons. Um 14.00 Uhr machen wir im gepflegten Yachthafen von Merzig fest. Nach diesem heißen Tag ist erst mal wieder eine Duschorgie angesagt, bevor einige sich aufmachen zur Ortbesichtigung. Neben uns macht in dieser Zeit „My Erika“ fest, ein Funboot mit Balkonbepflanzung und Bugjungfrau. Wir lernen die Eigner später kennen und erfreuen uns an zwei Düsseldorfern, die auch auf unserer Route unterwegs sind. Das Abendessen nehmen wir im nahen Merziger Brauhaus ein. Riesenportionen, freundliche Bedienung, sehr starkes Sättigungsgefühl. Alle brauchen jetzt mal nen Schnaps! Den nehmen wir auf dem Achterdeck bei lauem Abendwind und herrlichem Sonnenuntergang.

25.5.2012    Merzig – Saarbrücken

Sonne – Sonne – Sonne. Frühstück auf dem Achterdeck. 9.00 Uhr los in Richtung Saarbrücken. Drei Schleusen sind schnell bewältigt. Wir schleusen jeweils 16 m Hub gemeinsam mit „My Erika“. Vorbei geht es an den gewaltigen Industrieanlagen von Dilligen und Völklingen.

Die Völklinger Hütte ist ein 1873 gegründetes ehemaliges Eisenwerk. Es wurde 1986 stillgelegt. 1994 erhob die UNESCO die Völklinger Hütte als erstes Industriedenkmal auf der Welt in den Rang eines Weltkulturerbes der Menschheit. 2007 wurde sie für die Auszeichnung als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland nominiert. Sie ist ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention. Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist heute ein wichtiger Standort und wird von rund 400.000 Besuchern im Jahr aufgesucht.

Die letzte Schleuse vor Saarbrücken bereitet Schwierigkeiten. Nach dem Hochschleusen lassen sich die Tore nicht öffnen. Eine gute Stunde sind wir „gefangen“ in der Schleuse. Dann geht es endlich weiter. Um 16.30 Uhr machen wir am Theater in Saarbrücken fest. Hier tobt der Bär! Auf der einen Seite große Wiese mit Hunderten Studenten, auf der anderen Seite die 4spurige Hauptstraßentangente. Wir gehen zunächst mal in die Stadt.

Der Name der Stadt hat nichts mit dem modernen Wort Brücke zu tun, denn zur Zeit der ersten Erwähnungen des Ortes und der Burg gab es dort keine Saarbrücke: Die erste Brücke über die Saar (die heute sog. Alte Brücke) wurde erst 500 Jahre später erbaut. Das Gebiet der heutigen Stadt Saarbrücken gehörte im Mittelalter teils zum Bistum Metz in Lothringen, teils zum Erzbistum Trier. Im Jahre 1575 führte Graf Philipp III. von Nassau-Saarbrücken die Reformation nach lutherischem Bekenntnis ein. Daher war das heutige Stadtgebiet über viele Jahrhunderte vorwiegend evangelisch. Nach den Reunionskriegen Ludwigs XIV. wurde auch wieder eine katholische Gemeinde in Saarbrücken zugelassen: Der erste katholische Gottesdienst im heutigen Stadtgebiet Saarbrückens seit der Reformation wurde 1680 in einer Notkirche in St. Johann abgehalten. Die erste katholische Pfarrei wurde aber rechtskräftig erst 1803 in St. Johann errichtet.

Nach dem Stadtbummel fällt die Entscheidung, das Schiff umzulegen, leicht wegen des enormen Krachs. Leinen lösen, Schiff wenden und ab in den sehr schönen ruhigen Yachthafen mit allen Annehmlichkeiten. Heute feiern wir Bergfest und es gibt Nudeln und geistige Getränke im Sonnenuntergang am Achterdeck.

26.5.2012    Saarbrücken – Wittring

Heute wieder Sonne satt, also auch Frühstück an Deck. Der Motorbootclub Saarbrücken plant für heute einen Pfingstausflug auf unserer geplanten Strecke. Da befürchten wir Stau an den Schleusen und starten entsprechend frühzeitig Richtung Frankreich. An der letzten deutschen Schleuse erhalten wir wieder einen Sender, mit dem wir die vor uns liegende Schleusentreppe erklimmen können.

Um 11.30 Uhr ist Saareguemines erreicht. Die Schleuse hat eine Störung und so legen wir für die Mittagspause an. Der kurze Stadtbummel ist enttäuschend und so freuen wir uns auf die Weiterfahrt. Es folgt Schleuse auf Schleuse. Der Saarkanal ist teilweise sehr eng aber landschaftlich reizvoll. Das Kanalniveau ist deutlich höher als die alte Saar, die uns als kleines Flüsschen begleitet.

Um 16.00 Uhr machen wir fest in einem kleinen Hafen an der Schleuse Wittring. Der ist fest in deutscher Hand. Der freundliche Hafenmeister hilft uns beim Anlegemanöver, versorgt uns mit Wein und bietet sogar für den nächsten Morgen einen Brötchenservice an. Toll!!! Im Hafenrestaurant essen wir sehr gut zu Abend und genießen den Sonnenuntergang auf dem Achterdeck. Ein entspannter Tag!

27.5.2012    Wittring – Mittersheim

Das Frühstück an Deck wird gekrönt von dem frischen Brot (und das zu Pfingsten!), das uns der Hafenmeister geholt hat. Wir legen um 9.00 Uhr ab und haben wieder viele Schleusen vor uns.

In Saaralbe überquert der Kanal das kleine Flüsschen Albe auf einer Brücke, die als Eisenkonstruktion Vorbild für viele Brücken dieser Art in Frankreich ist. Willi und Angela steigen vom Schiff um aufs Rad und begleiten unsere Fahrt an Land. Unsere Überfahrt auf der Kanalbrücke können Sie so für die Nachwelt dokumentieren. Mittags gibt es den Pfingstempfang an Deck mit Sekt und feinen Schnittchen.

Um 15.00 Uhr fest in Mittersheim an einem neuen feinen Anleger. Den Strom bekommen wir vom „Energieterminal“ für 2 Euro/4 Stunden. Nobel geht die Welt zu Grunde! Der Spaziergang in diesem kleinen Dorf ist schnell beendet. Zum Abendessen gibt es Bratkartoffeln und Sahnehering.

28.5.2012    Mittersheim – Schiffshebewerk Arzwiller

Heute hat Willi Namenstag. Die Schleusen öffnen um 8.30 Uhr und so geht es trotzdem früh los. Wir liegen schon 10 Minuten vorher in Lauerstellung. Unser Leinenlösen löst hektische Betriebsamkeit auf den anderen Schiffen aus. Alle haben die 13stufige Schleusentreppe bis Gondrexange vor sich. Wir kommen prima durch und fahren voran. Um 12.30 Uhr geben wir an Schleuse 1 unseren Sender wieder ab und sind kurz darauf zurück auf dem Rhein-Marne-Kanal. Hier schließt sich der Kreis unserer Route. Ab jetzt geht es auf bereits befahrenem Wasser Richtung Heimathafen.

15.00 Uhr. Wir erreichen Hesse, den geplanten Hafen für heute. Die Deckcrew entscheidet sich, weiter zu fahren. 15.30 Uhr. Wir erreichen Niderwiller und legen vor dem Tunneleingang an. Das hässlichste Fleckchen Erde unserer gesamten Tour! Nach 15 Minuten trifft die Brücke eine weise Entscheidung: Wir fahren weiter bis zum Schiffshebewerk – zunächst mit kleiner Wartezeit vor dem kleinen Tunnel und dann mit großer Wartezeit vor dem großen. Um 17.15 Uhr sind wir durch, die Sonne hat uns wieder.

17.45  Uhr ist die letzte Schleusung am Schiffshebewerk. Wir schaffen das und schweben als letztes Schiff zu Tal. An der schönen Halbinsel am Fuß der Anlage machen wir für die Nacht fest. Zum Abendessen gibt es Cassoulet.

29.5.2012    Arzviller – Saverne

Bei wolkenlosem Himmel fahren wir weiter und erreichen nach kurzer Fahrzeit unseren Heimathafen Lutzelbourg. Wir machen fest und erstellen den Einkaufszettel für die letzten drei Tage. In Phalsbourg gibt es den Supermarkt noch und wir kaufen streng nach Zettel ein. Um 11.15 Uhr geht’s weiter. Bis Saverne liegen 13 Schleusen vor uns. Das schreckt die erfahrene Schleusencrew unter Führung von Willi unserem „Mister Ecluse“ inzwischen nicht mehr.

Um 13.30 Uhr liegen wir fest gegenüber dem Rohan-Schloß in Saverne. Das herausragende Bauwerk der Stadt wurde 1790 erbaut. Es hat auf der Parkseite eine 140 m lange monumentale Fassade aus rotem Sandstein. Es handelt sich um die längste klassizistische Schlossfassade in ganz Frankreich.

Saverne hat eine hübsche Altstadt mit zahlreichen bemerkenswerten Fachwerkbauten aus dem 16. und 17. Jahrhundert, u.a. das Haus des Landschreibers Katz in der Hauptstraße. Sehenswert sind auch die Pfarrkirche “Notre-Dame-de-la-Nativité” mit romanischem Westturm und spätgotischem Langhaus. Auch die ehemalige Stiftskirche der Steigerherren von 1303 mit ihrem freskenverzierten Kreuzgang ist sehenswert.

Sehenswert ist auch die schöne Fußgängerzone mit vielen kleinen Fachgeschäften. Willi kauft einen Pfannenwender, Ute zwei neue Kleider. Zum Abendessen gibt es endlich das langerwartete Sauerkraut mit Kassler und Kartoffelpüree – wir fahren schließlich auf der Sauerkrautroute! Lecker!!! Wir feiern das ausgiebig auf dem Achterdeck mit Blick auf das beleuchtete Schloß.

30.5.2012    Saverne – Saverne

Heute haben wir viel Zeit und so soll spät gefrühstückt werden. Was ist stattdessen? Frühstück um 8.30 Uhr wie immer. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier …

Wir wollen noch ein Stück weiter Richtung Straßburg fahren und legen um 9.30 Uhr ab. Auch heute erwarten uns wieder viele Schleusen. Gleich die erste muss durch Ziehen eines über den Kanal gespannten Schlauches aktiviert werden. Das ist einfach und klappt prima – ganz ohne Funktechnik. Wir fahren gemütlich bis Dettwiller, drehen und zurück geht es nach Saverne, das wir um 13.30 Uhr wieder erreichen. Wir finden einen schönen Anlegeplatz, den unser Skipper meisterhaft gegen den Wind rückwärts erreicht.

Das Düsseldorfer Paar von der „My Erika“ kommt ebenfalls an und besucht uns auf ein Glas Sekt. Sie erzählen lustig von ihrer bisherigen Reise, die sie noch über Straßburg den Rhein hinab zurück nach Düsseldorf führen soll. Willi hat endlich Zeit, den Metzger seines Vertrauens aufzusuchen und für ein opulentes Abendessen einzukaufen: Jakobsmuscheln, Gambas, Poulardenpastete, Schweinefleisch an Walnußsoße, Nachtischvariationen, Kaffee mit Praline! Was sagen wir da? „Boah eh!!!“

Am Abend besucht uns noch ein Journalist der Saverner Tageszeitung und fragt uns nach unseren Erlebnissen. Er macht Fotos und so kommen wir noch in die Zeitung. Wir sitzen bis 22.00 Uhr draußen und genießen die Aussicht auf das schöne Schloß. Morgen haben wir viel Zeit und können spät frühstücken …

31.5.2012    Saverne – Lutzelbourg

Um 7.30 Uhr bereits Gerödel auf dem Schiff. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Wie gewohnt sitzt alles um 8.30 Uhr am Frühstückstisch. Soweit zu dem Vorsatz „wir haben viel Zeit…“.

Unser Skipper drängt und will es endlich hinter sich bringen. Um 9.00 Uhr liegen wir vor der ersten Schleuse in Saverne. Es geht 6 Meter hinauf. Vor uns liegen noch mal 10 Schleusen, die wir mit Links meistern und laufen um 12.45 Uhr in Lutzelbourg ein. Die bestellte Blaskapelle zur Begrüßung hat den Termin leider versäumt.

Margrit, Angela und Willi wandern noch auf die Burgruine, die dort bereits seit dem 15. Jahrhundert steht. Die anderen Crewmitglieder sind bereits mit Packen beschäftigt oder trinken ein Abschiedsbier. Das Abendessen nehmen wir diesmal in der „Bierstub zur Eselsbahn“ ein. Von außen erwartet man keine besondere Küche. Wir sind angenehm überrascht und essen vorzüglich. Den Abend lassen wir wieder an Deck ausklingen. Morgen soll es mit dem Auto noch drei Tage in das Elsass gehen.

Unsere Gedanken gehen zurück auf erlebnisreiche zwei Wochen. Wir haben sehr viel gesehen und viele hundert Bilder im Kopf und in der Kamera. Unsere Schiffsmaschine hat 80 Betriebsstunden Arbeit geleistet und dabei 481 km zurückgelegt. Insgesamt haben wir 110 Schleusen durchfahren. Die gesamte Fahrstrecke unseres Autos beträgt am Schluss 1300 km.

Das war unser vierter gemeinsamer Törn. Der Wunsch unseres Skippers zu Beginn war: „Auf dass wir uns alle nach dem Törn noch mit Du ansprechen“. Dieser fromme Wunsch geht in Erfüllung.

Mönchengladbach, 5.6.2012

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