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Reisebericht Mecklenburgische Seenplatte

Aktivurlauberfamilie erleidet kurzfristig Bootskoller

Wir sind eine Familie, die „nicht zum Spaß“ in Urlaub fährt. Unsere Kinder wissen das. 550 Fahrradkilometer in zweieinhalb Wochen, bei Tagesetappen von zum Teil gut 70 km in hochsommerlicher Hitze steckten unsere drei mit damals 6, 8 und 10 Jahren ganz gut weg. Es erstaunte sie daher, dass im darauffolgenden Sommer erstmals ein Hausbooturlaub auf dem Programm stand. Das versprach Entspannung pur.

In Lübz war die Freude groß, als wir unsere Nicols 1000 das erste Mal sahen: „Cool!“ - mehr brachte keiner heraus. Dass die Boote rechts und links zum Teil deutlich komfortabler waren, fiel unseren Kindern nicht auf.

Bis zur Einweisung hatten wir noch Zeit und gingen im 100 Meter entfernten Supermarkt Lebensmittel kaufen. Beim Einräumen staunten wir über die vielen praktischen Lagermöglichkeiten an Bord. Die Kinder prüften jede Ecke und jeden Winkel, bis wir endlich in die Geheimnisse des Boots eingewiesen waren, die Probefahrt hinter uns hatten und auf uns alleine gestellt den lauschigen Lübzer Hafen verließen.

Die erste Schleuse, die wir eigentlich noch an diesem Abend passieren wollten, stellte gerade ihre Arbeit ein, als wir dort vorfuhren. Egal; wir legten vor dem Schleusentor an und verbrachten unsere erste Nacht an Bord mutterseelenallein im Nichts. Ruhe, Ruhe, Ruhe.

Am Morgen wurden wir geschäftig: Frühstück machen, Boot aufräumen (je weniger Platz, desto besser sollte Ordnung gehalten werden – fanden zumindest die Erwachsenen), warten, bis die Schleuse öffnete, ablegen und mit klopfendem Herzen zum ersten Mal in die Schleusenkammer einfahren. Geschafft! War gar nicht so schwer. Die Kinder waren höchstaufgeregt, wuselten überall herum und obwohl wir zu fünft waren (oder gerade deshalb?), war es problematisch, das Boot beim Schleusenvorgang ordentlich parallel zur Wand zu halten, die Seile bei sich änderndem Pegel neu anzulegen und sich gegenseitig zu erklären, wer was zu tun hatte. Schleuse Nummer Zwei absolvierten wir schon sehr viel gelassener, bei Schleuse Drei kamen wir uns geradezu professionell vor.

So verging Tag Eins mit zahllosen neuen Aufgaben und Eindrücken. Es kam der nächste Morgen und scheinbar aus heiterem Himmel entwickelte sich aufgrund einer Nichtigkeit eine Diskussion. Aus der Diskussion wurde ein Streit. Dann schimpfte Kind 1 „das ist hier total langweilig“, das nächste ergänzte „mir gefällt das hier überhaupt nicht“ und das letzte komplettierte „Bootfahren ist total doof – ich will nach Hause“. Wir Eltern konnten es weder verstehen noch fassen: Woher kam dieser urplötzliche Stimmungswechsel? Eben noch war alles heiter – nun standen wir mitten im grauesten Gewitter? Nach einer Weile der hin- und herfliegenden Beschuldigungen kamen Mutter schließlich die Tränen „ich hatte mich so auf den Bootsurlaub gefreut...“ und sie verzog sich schluchzend in die Koje. Einer weniger, der die miese Stimmung anheizte. An Deck verdutzte Gesichter: „Die weint doch sonst nie?!“ Nach und nach normalisierte sich bei allen der Puls, Kind 1 schlich zu Mutter, kuschelte sich an und gab so den Start für die allgemeine Versöhnung. Im Familienrat wurde beschlossen, täglich einen Landgang zu unternehmen, um dem Bewegungsdrang - vor allem dem der Kinder - freien Lauf zu lassen.

So wurde es dann auch gemacht: Jeden Tag besichtigten wir einen der entzückenden kleinen Orte, die auf unserem Weg lagen; Malchow, Plau, Waren, Röbel. Immer gab es ein Eis, wir kletterten auf jeden verfügbaren Kirchturm, bummelten durch hübsche Straßen und Geschäfte, besichtigten einen Wehrturm mit Verlies, ein Kuriositätenmuseen, das Müritzeum, den Barfußpfad und so weiter. Es tat uns leid, nicht für alle Attraktionen genügend Zeit zu haben; so konnten wir weder in den Hochseilgarten gehen, noch eine Fahrt auf der Draisine machen. Wer hätte gedacht, dass rechts und links des Wassers das Freizeitangebot so groß sein würde?

Der Bootskoller kam nie mehr wieder – wir waren dagegen immun wie gegen einmal durchgemachte Windpocken. Wir alle genossen den Bootsalltag, freuten uns auf jeden neuen Hafen, auf die immer professionelleren Ein- und Ausparkmanöver, bei denen jeder seine Aufgabe kannte und bald wie im Schlaf abspulte. Essenkochen mit Blick auf den See war ein Genuss und selbst spülen und abtrockenen hatte in der leichten Brise des offenen Schiebefensters mit Sonnenuntergang am Horizont etwas Sinnliches. Essen im Restaurant – von denen es genügend in allen Angebots- und Preisklassen gab – reizte uns selten. Frische Fischbrötchen an Deck hingegen waren sehr beliebt.

An unserem letzten Tag fiel erstmals in unserer Bootswoche beständiger Nieselregen, während wir die letzten Kilometer zum Heimathafen Lübz tuckerten. Wir beschlossen, die Reinigung des Bootes selbst zu erledigen – der Außendreck war ja schon aufgeweicht – und wir bewaffneten uns mit einer Flasche Glasreiniger und ganz viel Küchenkrepp. Unsere beiden Jungs zogen emsig Eimer um Eimer Wasser aus dem Hafenbecken, um all unsere Spuren auf der Außenhaut des Boots mithilfe des Besens zu beseitigen. Unsere Tochter übernahm nach kurzen Mühen die Aufsicht. Aber auch das wurde akzeptiert, hatten wir doch in der Woche so viel Entspannung getankt, dass wir darüber gnädig hinwegsehen konnten.

Schon auf der Autofahrt nach Hause blätterten wir abwechselnd durch den Prospekt von Nicols, träumten von einem Luxusboot und bestaunten die schönen Fotos der angebotenen Destinationen. Uns fehlte das sanfte Schauken auf den Wellen und das gleichmäßige Tuckern des Motors. Zu Hause lag der Katalog immer griffbereit. Freunde und Verwandte mussten sich unsere Fotos ansehen und unsere Schwärmereien ertragen. Und klar: Der nächste Urlaub auf dem Wasser ist schon gebucht. Im nächsten Herbst geht es nach Portugal.
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Vielen Dank an Familie Rothkegel für den schönen Reisebericht!

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