Hausbootabenteuer in Südfrankreich–Canal De Midi–St.Gilles
Vom 15.-22.8.09 buchten wir über So Long Yachting Österreich ein Hausboot von LeBoat.
Ausgangsort: Port Cassafieres und retour. Als Neulinge am Hausboot haben wir uns als als Endziel Aigues Mortes gewählt, mit der tollen Zwischenstation, dem „Etang de Thau“ zum Baden.
Da wir ca. 1450km zu fahren hatten haben wir beschlossen am Freitag in der Früh abzufahren und südlich von Genua einen Zwischenstopp einzulegen. Dies brachte uns nach „Altare“ einem ital. Örtchen mit anscheinend einem einzigen Restaurant **** das auch Zimmer zu vermieten hatte, welches ich aber jedem weiterempfehlen kann!
Am Samstag gings dann die restlichen 530km nach Port Cassafieres in endlosen Stau´s rund um Marseilles. Fahrzeit von 9:00 – 18:30! Samstags also nicht zu empfehlen!
Gegen 17:00 rief ich bei der Basis von LeBoat an dass wir uns verspäten werden. Für die freundliche Dame am Telefon die Deutsch sprach war das absolut kein Problem!
Wir bekamen dann einen äußerst freundlichen Empfang, wurden sofort auf das das fix und fertige Boot „Clipper“ das ausreichend Platz für 4 Personen hatte, gelassen.
Vorne und Hinten eine Kajüte für 2 und je 1 Bad mit Dusche. Fahrerstand innen und außen.
Der Diesel lief, der Kühlschrank war kalt, Wasser und Diesel war vollgetankt, alles perfekt!
Wir verstauten unser Gepäck und
unsere 4 Fahrräder die wir selbst mitgebracht hatten.
Inzwischen kam ein LeBoat Mitarbeiter für die Einweisung beim Nachbarboot, das auch ein „Clipper“ war und wurden gefragt ob wir nicht gleich gemeinsam die Einschulung machen möchten, das gerne in Anspruch genommen wurde.

Zuerst das Technische am Boot und dann ab auf den Kanal. Beide durften wir dann Umdrehmanöver üben, das Anlegen am Kanalrand mit drehen, und das verkehrte einparken in der Basis zwischen 2 Booten. Ich war überrascht wie leicht mir das von der Hand ging, wobei ich schon 2 Segeltörns mit gelegentlichem steuern einer Segeljacht hinter mir hatte. Die „weichen“ Knie gabs aber trotzdem beim 1.Mal mit einer 11m Motorjacht, auch wenns nur ein Hausboot ist. Den LeBoat Mitarbeiter konnten wir alles fragen und er versuchte mit allen seinen französisch, englisch u. deutschen Wortbrocken nach bestem Wissen und Gewissen unsere Fragen zu beantworten.
Er gab uns auch den Tipp entweder noch bis Vias zu fahren und dort anzulegen fürs Abendessen, oder gleich links am Kanal von Port Cassafieres zu übernachten (es war ja schon zwischen 8 und 9:00) und das Restaurant an der Basis zu besuchen, für das wir uns auch entschieden.
1. Tag So. 16.8.: nach einer erholsamen Nacht fuhren wir mit dem Auto noch einkaufen danach Frühstück und ab ging die Post! Vorbei an der Basis Richtung Etang de Thau als 1. Ziel.


Traumhafter Start entlang dem Kanal zwischen riesigen alten Platanen!
Unterquerung der Brücke ähnlich einer Schleuse „Oufrages du Libron“ wo bei Hochwasser der Fluss Libron 2 geteilt durchgelassen werden kann.


Interessant ist natürlich für den neuen Hausbootkapitän jede Brücke wo natürlich auf den Sonnenschirm und ev. die Fahrräder achtgegeben werden muss. Hierzu gabs das „Sonnenschirm Demontage“ Kommando an die Schiffsjungen!


und dann die 1. Schleuse – was wird uns dort erwarten, in der Theorie bestens informiert, aber in der Praxis – die Rundschleuse von Agde. Vorerst mussten wir mal anlegen da über Mittag geschlossen ist.




Nach absolut unkomplizierter 1. Schleusung gings weiter Richtung Ecluse de Bagnas und Etang de Thau den wir eigentlich erst am nächsten Tag überqueren wollten.






Das geradeaus Fahren klappt auch schon perfekt!


und dann gegen 15:30 der Leuchtturm zur Einfahrt in den Etang de Thau.
Da solch tolles Wetter herrschte beschlossen wir diesen noch zu überqueren. Zwischendurch gabs natürlich einen ausgiebigen Badestopp!



und die berühmten Austernzuchtstege.
Die beiden Tonnen am Ende des Meerwassersees waren ja kein Problem, jedoch die Einfahrt zum Canal du Rhone a Sete verfehlten wir doch glatt und wären fast in den Hafen von Sete hineingefahren. Da ich aber wirklich nicht sicher war fragten wir einen Yachtkapitän der uns dann zur richtigen Einfahrt geleitete. Nach einem perfekten Wendemanöver gings dann wieder richtig Richtung Kanal.


Einfahrt Kanal du Rhone a Sete
Gegen 18:45 kamen wir dann vor der Hebebrücke von Frontignan an zum Anlegen.



Eine tolle Tagesleistung für den 1. Hausboottag! Mit den Rädern gings dann eine Frontignanrunde mit anschließendem Restaurantbesuch bei „Mister Bean“ einem taiwanesischem Lokal das ein Tipp eines Einheimischen war und sich als goldrichtig erwies!


2. Tag Mo. 17.8.: 7:30

nach dem öffnen der Hebebrücke gings rasch auf die andere Seite wo wir zum Frühstück wieder anlegten.

um 10:25 waren wir dann schon wieder auf „Hoher See“ oder besser „Kanal“ unterwegs.

Richtung La Grande Motte (die große „Motte“ )
Gegen 11:00 beschlossen wir seitlich am Kanal anzulegen. Das Meer ist dort so nahe (zw. PK86-87) dass es sich als absolut optimal herausstellte dort den Strand zu besuchen.


gegen 14:30 gings dann wieder weiter zur Schwenkbrücke von la Maguelonne.


Gegen 16:00 legten wir in Palavas-Les-Flots an zum Wassertanken, da wir noch keine Erfahrung hatten wie lange wir mit dem Tank auskommen würden. Obwohl wir uns das hätten ersparen können. Um 16:45 legten wir wieder ab und fuhren weiter Richtung Carnon.


Immer wieder wundervolle Landschaften zum Träumen. Überlegt wurde ob wir dieses scheinbar verlassene Haus kaufen sollten?






Gegen 18:30 hatten wir eine einsame Stelle mit Steg zum Anlegen für die Nacht gefunden.
(zw.PK60+59). Dort verbrachten wir einen wundervollen Abend an Bord.
3. Tag Di. 18.8.: 9:20
Um 9:20 gings nach einen reichhaltigem Frühstück weiter Richtung Aigues Mortes.


9:50 durchfuhren wir die portes de garde a guillottine.


9:14 erreichten wir Aigues Mortes. Hier legten wir für einen Einkaufs und Burgbummel an.
Weiters konnte man hier gratis Wasser puffern.




Daß diese Burg uneinnehmbar war wurde mir klar als wir die riesigen Mauern und Schießscharten im Inneren besichtigten. Im Inneren der Burg herrscht reges touristisches Treiben wie in einer kleinen Stadt.
12:45 legten wir wieder ab weiter Richtung Gallician. Eigentlich war Aigues Mortes ja als unser Umkehrpunkt geplant, da wir diesen jedoch am Dienstag Mittag schon erreichten beschlossen wir weiter zu fahren.


Hier begann ja eine traumhafte Gegend wie im Bilderbuch.




Um 13:00 setzten wir zum Überholen eine Frachters an, das meinem Sohn ohne Probleme gelang.




Gegen 15:30 erreichten wir St. Gilles das unser Umkehrpunkt werden sollte.


Für die Kaffeepause fanden wir einen wunderbaren verlassenen Steg, der nicht idyllischer sein könnte.

Gegen 18:00 Uhr fanden wir unseren Ankerplatz südlich von Gallician.


Ein super Ausgangspunkt um Abends mit den Rädern eine Orts-Erkundungstour mit Restaurantbesuch zu machen. Einheimische schickten uns dann etwas weiter Richtung Franqueveaux in die verlassenen „Pampas“ durch die Weinfelder wo wir dann doch noch das besagte Restaurant gefunden haben und hervorragen speisten.
4. Tag Mi. 19.8.:
Am nächsten Morgen bot sich dieses Bild nachdem ich die Luke öffnete. Ein Traum.


Da schmeckt das Frühstück so richtig und der Tag beginnt wie im Traum.


Um 9:30 gings dann schon wieder weiter. Hier der Kapitän als Schiffsjunge beim „Bordpütz“!


Die Abzweigung rechts vorbei an Aigues Mortes mit dem Tour Carbonniere.




Vorbei an La Grande Motte gabs dann wieder mal mehr Verkehr zur Abwechslung.
12:00 legten wir bei PK67 wieder zum Baden an. Leider war dies die Nähe von Carnon wo sich am Strand etwas mehr tat.


Um 16:08 legten wir nach einen ausgiebigen Kaffeerunde wieder ab mit Ziel Hebebrücke Frontignan. Hier sah es dann gegen 18:30 etwas bewölkt und gewittrig aus was aber täuschte und kein Tropfen in der Nähe war.


Um 18:40 legten wir dann etwas vor der Brücke von Frontignan an. Einige Einkäufe wurden erledigt und danach gings Abendessen.
5. Tag Do. 20.8.:
Um 7:35 durchfuhren wir die geöffnete Brücke und ankerten zum Frühstück wieder auf der anderen Seite. Diese Brücke öffnet ja nur 2x am Tag für die Schiffe!
Um 9:10 gings dann wieder weiter zum Etang de Thau.
Hier zeigt uns mein mitgebrachtes Navi den exakten Punkt im See. Beim Etang de Thau ist zu beachten dass man ihn bei stärkerem Wind nicht mehr durchfahren darf. Man muß dies also bei der Rückreise gut einplanen. Ansonsten könnte es passieren nicht zeitgerecht zur Basis zu kommen. Bei uns gabs nur leichten Wind, am Freitag kam aber stärkerer auf wo ich nicht sagen kann ob da eine Überfahrt möglich war?



Die Austernzüchtungen in diesem Meerwassersee sind schon beachtlich anzusehen.


11:00 Ein Bad durfte hier natürlich nicht ausgelassen werden.


12:06 Die Einfahrt in den Canal du Midi war hier durch den Leuchtturm nicht zu verfehlen.


Die wunderbaren Platanenalleen begeistern hier immer wieder. Nach einer Mittagspause mit Bratwürstl an Bord gings um 13:45 durch die Schleuse von Bagnas.


und um 15:00 waren wir in der Rundschleuse von Agde.




17:10 durch die Libronbrücke
Um 17:30 legten wir wieder außen am Canal in Port Cassafieres an und besuchten die Basis weil wir wegen Übernachtungsmöglichkeiten von Sa-Mo. fragen wollten, da wir auf keinen Fall am Sa. durch die Stau´s von Marseille heimfahren wollte. Die nette Dame von der Basis telefonierte mit jemanden und wir hatte das Glück ein Appartement gleich neben der Basis für 2 Tage zu bekommen und das noch dazu extrem günstig und toll.
Abends besuchten wir das Restaurant an der Basis und beschlossen am letzten Tag noch ein Stück Richtung Beziers zu fahren.
6. Tag Fr. 21.8.:


10:30 Abfahrt und um 10:55 in der Schleuse von Portiragnes.








Um 11:30 legten wir in Villeneuve les Beziers an wo meiner Frau der „Badeschlapfen“ sprichwörtlich baden ging und dieser gerettet werden musste.
in letzter Sekunde noch erwischt!



um 11:55 gings durch die Schleuse und ein Stück danach machten wir Mittag.


Nach dem Mitagessen beschlossen wir von hier aus mit den Fahrrädern nach Beziers zu radeln und uns die berühmten Schleusen von Foncerannes anzusehen, da wir das zeitlich mit dem Hausboot durch mehrere Schleusen nicht mehr schaffen konnten.

Beziers


Das berühmte Aquädukt von Beziers überquerten wir mit den Rädern wo normal oben die Boote über den „Orb“ fahren – eine Meisterleistung der damaligen Bauleute.



Beziers und der Kanal unterhalb von Foncerannes

Die alte autom. Keilschleuse für die Berufsschiffahrt.

Die berühmte 7er Schleuse von Foncerannes.

Zurück gings dann gegen 17:00 Uhr vorbei an Pferden, Weingärten und Gütern………..






Einen wunderschönen letzten Abend bot uns noch diese Sonnenuntergangsstimmung am Canal du Midi vor Port Cassafieres wo wir die Nacht verbrachten. Eigentlich wollte niemand so recht glauben dass dies der letzte Abend am Boot sei und viel zu schnell vergangen ist.
Fakt ist, dass dies einer der schönsten Urlaube für uns alle war und allen und auch speziell den Kindern immer in Erinnerung bleiben wird. Alles hat bestens geklappt und noch besser als erwartet war das Leben auf dem Boot und dem Kanal.
7. Tag Sa. 22.8.:

Gegen 9:00 Uhr brachten wir das Boot zurück zur Basis „LeBoat“ räumten alles aus, putzten gemeinsam noch das Boot und übergaben dann die Papiere an die Rezeption.
Die Abrechnung funktionierte bestens, es wurde noch einigens über der Reiseverlauf gesprochen und das wars dann. Allgemein kann ich allen nur das größte Lob aussprechen, angefangen von der Anfrage bis zur Rückgabe klappte alles wie man es sich nur wünschen kann, alle waren extrem nett und freundlich. Weiters ist aufgefallen dass die Einheimischen sehr nett und freundlich waren, und für mich das angeblich „teure“ Frankreich dort nicht existiert.
Gegen Mittag fuhren wir dann zu unserem gemieteten Appartement, luden das notwendigste aus und verbrachten noch 2 angenehme Sommertage.
Am Montag um 9:00 fuhren wir dann los. Verkehrsmäßig gabs keine Probleme. Am 18:30 waren wir dann schon am Gardasee und beschlossen nicht mehr zu übernachten, was eigentlich geplant war und fuhren durch. Um 11:15 sind wir dann nach 1450km Fahrt gut zu Hause angekommen.
Ich möchte jedem der ein wenig Lust auf eine andere Art von Urlaub hat diese Hausbootfahrt empfehlen. Es ist noch schöner als man sich es vorher nur vorstellen kann.
Als nützliche Tipps kann ich allen folgendes weitergeben:
Gelsengitter und Tesaband für die Kajütenfenster. Ein Spannungswandler (12V>230V) für Kleingeräte wie Handy, Digicam, Laptop ……………! Durch diesen waren wir nie abhängig vom Landstrom, und alle Geräte konnten immer betrieben werden.
Fahrräder für Ausflüge und Einkäufe, und Hausbootlektüre schon vor dem Urlaub um zumindest in der Theorie ein wenig vorbereitet zu sein.
Ansonsten ist uns am Boot nichts abgegangen und wir werden solch einen Urlaub wahrscheinlich wiederholen. Das steuern des Boots hat absolut kein Problem verursacht und auch meine beiden Jungs (14+16) hatten ihre Freude damit. Manchmal musste ich mich fast aufdrängen selbst das Boot wieder steuern zu dürfen. Aber auch die Matrosenarbeit machte allen viel Spaß.
Die östliche Strecke von Port Cassafieres Richtung Aigues Mortes finde ich für Anfänger optimal (es gibt nur 2 Schleusen in einer Richtung). Beim nächsten Hausbooturlaub würde ich dann die westliche Richtung mit den vielen Schleusen fahren, oder auch ein anderes Gebiet?

